Nihon Taiho Jutsu

 

Der Name Taiho Jutsu besteht aus zwei Wörtern und aus drei Kanji:

 

Taiho (逮捕): Verhaftung, Festnahme o .Beschlagnahme;

Jutsu (術): Kunst, Technik oder Methode.


Taiho Jutsu kann als "Technik oder Methode der Verhaftung“ übersetzt werden."

Diese Kampfkunst ist speziell auf die Bedürfnisse von Offizieren, Sondereinheiten der Polizei, Sicherheitsdienste, Justizbeamten und ähnlichen Organisationen, zur Wahrung der entsprechenden Ordnung und öffentliche Sicherheit vorgesehen.

Taiho Jutsu fasst Teile verschiedener Kampfkünste zusammen. Es basiert auf den Eckpfeilern von Karate Ju-Jutsu/ Judo, Aikido und Kenjutsu, sowie dem Boxen. Hinzu kommen Kampfkünste mit Waffen wie Seil, Handschellen, Kurzstock etc.

Man unterscheidet das System grundsätzlich in zwei Hauptgruppen. Der unbewaffnete Nahkampf wird als „Tosho“ bezeichnet. Die Anwendungen mit dem Jo, Tanbo oder Yubibo fällt unter den Begriff „Keibo“.

 

Technikgruppen

 

Dachi Waza                         Standtechniken

Tai Sabaki Waza                  Körper- und Bewegungslehre

Uchi & Tsuki Waza               Schlag- und Stoßtechniken

Keri Waza                           Fußtritttechniken

Uke Waza                           Blocktechniken

Atemi Waza                        Nerven- und Vitaldruckpunkttechniken

Kansetsu Waza                   Hebeltechniken

Gyaku Waza                       Kontertechniken

Shime Waza                       Würgetechniken

Osae Waza                        Haltetechniken

Taiho Waza                        Fesseltechniken

Bogyo Senjutsu Waza          Techniken gegen Waffen

Nage Waza                        Wurftechniken

Fusegi Waza                      Abwehrtechniken

Kaeshi Waza                      Gegenkontertechniken

Furimi Waza                       Schwingtechniken

Keibo Waza                        Techniken mit Hilfsmitteln

 

Geschichte und Entwicklung von Taiho Jutsu

 

Seine Ursprünge findet Taiho Jutsu in der Edo-Zeit (1603 bis 1868). Die Samurai, der Schwertadel, wurden als oberster Stand von Kriegsherren zu Beamten, die das Land verwalteten und Steuern in Form von Reis eintrieben. Dadurch wurden die von den Samurai praktizierten Kampfkünste zu Maßnahmen des unmittelbaren Zwanges nach heutigem Verständnis, wenngleich Verwundung oder Tod im Vordergrund standen. Die letzte Sternstunde der ursprünglichen Samurai kam 1867 während der Meiji-Restauration, als kaisertreue Samurai aus den Lehen Chōshū und Satsuma die Streitkräfte des Shogunates bezwangen. Kaiser Meiji (eigentlich Mutsuhito, 1852–1912) hob den Samurai-Status jedoch zugunsten einer moderneren, westlich orientierten Armee auf und behielt lediglich das Katana für Offiziere bei. Der Samurai-Stand wurde in Shizoku umbenannt. Die Japanische Regierung etablierte 1874 ein ziviles Polizeisystem europäischen Stils. Es stand unter der zentralen Kontrolle des Polizeiamtes im japanischen Heimatministerium und diente während der Meiji-Restauration zur Niederschlagung von Unruhen und zur Aufrechterhaltung der Ordnung.

1876 wurde den Samurai das Tragen ihrer traditionellen Tracht mit den zwei Schwertern in der Öffentlichkeit untersagt, ihre Privilegien wurden ihnen entzogen.

Die neu etablierte japanische Polizei griff auf traditionelle Techniken der Kampfkünste, auch die der Samurai zurück. In den folgenden Jahrzehnten gab es Bestrebungen ein für die Executive nutzbares Kampfsystem zu schaffen, welches auf die spezifischen Erfordernisse der modernen neuen japanischen Polizei einging.

So wurden in der ersten Phase Anfang der Zwanziger erste Grundlagen geschaffen, um bei der Ausübung unmittelbaren Zwanges, auf geistige Hintergründe und Traditionen zu verzichten. Die Polizei brauchte ein spezielles Nahkampfsystem, das den Bedürfnissen seiner Zeit gerecht wurde. Zu diesem Zweck sollte mit der Einführung einer Kommission bestehend aus hochrangigen Militärexperten eine formelle Überprüfung der vorhandenen Kampfkunstausbildung durchgeführt werden. Im Jahre 1924 in Tokio kam diese Kommission zusammen. Sie sollte die Bedürfnisse der japanischen Polizei umsetzen und ein System entwickeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Verwaltungsrat der Polizei genehmigte diese Techniken und integrierte sie in ihre Ausbildung. So bestand diese erste Phase aus einer Generalüberholung der Kampfkünste und basierte auf den Grundlagen des modernen Judo. Die taktische Bewegung des Körpers und das Ausweichen (Tai Sabaki) u.a. wurzelnd aus dem Schwertkampf wurden in das neue System integriert. Die Sorge um die Sicherheit der Täter stand zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt im Vordergrund. Zu tief war die Verwurzelung zu den Traditionen jemanden aus Gründen der Ehre zu verwunden oder gar zu töten, um seine Aufgaben zu vollziehen.

 

1927 stellte Takaji Shimizu (später 1947 in der Taiho Jutsu Kommission) Techniken des Hojo Jutsu vor, die 1931 fest in das Ausbildungsprogramm etabliert werden

 

Nach Beendigung des zweiten Weltkriegs hatte die japanische Polizei nach der Niederlage Japans und der daraus resultierenden Besetzung durch US-Truppen neue Rahmenbedingungen. Die Trainieren von Kampfkünsten in Japan, wurde durch die USA nur eingeschränkt erlaubt. Trotzdem musste die Polizei ein neues effizientes System entwickeln. Mitte der 40er Jahre wurde Taiho Jutsu auf Iniative des Department of the Tokyo Metropolitan Police entwickelt. Durch die Zusammenarbeit der japanischen Polizei und mehreren großen Meistern der Kampfkunst wurde versucht, ein entsprechendes System, das den Vorgaben der Polizei entsprach, zu entwickeln. Die Polizei dieser Zeit suchte nach neuen Möglichkeiten, die Kontrolle und Festsetzung eines möglichen Verdächtigen durchzuführen, ohne ihn zu verletzen. Es war ein scharfer Kontrast zum vorangegangenen Jahrhundert, als diese Überlegungen nicht in Frage kamen. Festnahme und Transporttechniken (Renhoko no Kata) kamen hinzu. 
 

Es wurde wie schon 1924 eine technische Kommission gebildet, um traditionelle und moderne Systeme zusammenzuführen und neu zu etablieren. Alles sollte überprüft werden. Ju Jutsu, Kendo, Karate, Judo, das westliche Boxen, das auch in Japan Einzug erhalten hatte, sowie die Techniken des klassischen Jojutsu und des Kenjutsu.

 

Neben dem Vorsitzenden Kendoka Saimura Goro, gehörten Hidenori Otsuka, Gründer des Wado-Ryu Karate, Shuichi Nagaoka, der Meister des Kodokan-Judo, Takaji Shimizu, der Meister des Shindo Muso Ryu Bojutsu, Tsuneo Horiguchi, ein Experte im westlichen Boxen als bekannteste Vertreter neben anderen Experten der Kampfkünste zur neuen technischen Kommission.

Die Kommission passte verschiedene Techniken des klassischen Kenjutsu, Jujutsu und Jojutsu an und führte aus jeder dieser Disziplinen Techniken für die polizeiliche Nutzung zusammen; Der Ausschuss wählte auch Techniken aus modernen Disziplinen wie Jujutsu, Karate-Jutsu, Kendo und Judo und weitere Ideen wurden mit einer Studie des westlichen Boxen gewonnen.

Mit diesen Elementen wurde das System Taiho-Jutsu gegründet und Taiho-Jutsu Kihon Kozo (Grundlagen des Taiho-Jutsu) als offizielles Handbuch für Polizisten veröffentlicht. 1947 wurde das neue formale System, Taiho Jutsu, präsentiert.

 

Die USA, insbesondere das Strategic Air Command, die in der Nachkriegszeit auf vielen Ebenen mit der japanischen Executive arbeitete,  bat das japanische Kaiserhaus Ausbilder abzustellen um US-Soldaten in Kampfkünsten zu unterrichten. Hiebei standen militärische und polizeiliche Bedürfnisse im Vordergrund. Hochrangige Ausbilder aus dem Bereich Judo, Nihon Ju Jutsu, Aikido, Goshin Jutsu, (z.B. Shizuya Sato und Kenji Tomiki), Karate (Nishiyama, Obata) und auch Taiho Jutsu (Kusuo Hosokawa, Taiho jutsu Head Instructor and Senior Tokyo Metropolitan Police Taiho jutsu / Judo Instructor) bildeten die US Streitkräfte und später auch Polizeieinheiten aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mifune 

Kommission 1924

Nakayama 

Kommission 1924

Shimizu

Kommision 1924 u. 1947

Nagaoke

Kommision 1924 u. 1947

Goro

Kommision 1924 u. 1947

Hidenori

Kommision 1924 u. 1947

Tsuneo

Kommision 1924 u. 1947

Tomiki

Ausbilder USAF/ SAC 1952

Begründer Goshin Jutsu

Jens Fricke, unser Technischer Direktor Taiho Jutsu, mit Shizuya Sato, 10. DAN Nihon Ju Jutsu

Ausbilder USAF/SAC 1952

Begründer Nihon Ju Jutsu

ganz links Kusuo Hosokawa

Ausbilder USAF/SAC 1952

Senior Tokyo Metropolitan Police Taiho Jutsu Instructor

 

Diese Kommission wurde von Meistern aus Kenjutsu und Kendo, des Iaido und Goshin jutsu gebildet. Sie legte den Grundstein für eine modernes Kampfsystem. Bekannte Meister waren Shuichi Nagaoka, Kinosuke Sato, Kyuzo Mifune, Tadashi Kawakami und Seizo Nakano aus dem Kodokan Judo und Goro Saimura, Hyakudo Nakayama, Yoshihitsu Hiyama und Shitejiro Hotta aus dem Schwertkampfkünsten. Es galt eine Reihe von Notwehrtechniken zu entwickeln, die einem unbewaffneten Polizisten ermöglichten, allen Formen des zivilen Ungehorsams und den entsprechenden Risiken zu entgegnen. Erste sichtbare Ergebnisse wurden im Buch "Torite no Kata Keishiko" 1926 mit Judoka der Tokyoer Polizei veröffentlichkeit (siehe nachfolgende Bilder).

Taiho Jutsu – Heute (Bedeutung für Executive)

 

Heute gibt es eine Reihe von Waffen und Geräten, sowie Techniken, die von der exekutiven Strafverfolgung verwendet werden. Einige haben ihren Ursprung in den historischen Wurzeln, während andere aus der heutigen Zeit stammen, wie z.B. Keibo (Kurzstock) oder Seijo (Handschellen). Es werden stetig weitere entwickelt und an die Bedürfnisse am Sicherheitsmarkt angepasst. Aus der ehemals traditionellen Handhabung von Waffe, ist die moderne Anwendung (Kontrolle statt töten) geworden. Durch Kombination von Techniken aus potenziell allen Kampfkünsten wie Jiu-Jitsu, Karate, Judo, Aikido etc., sowie den Waffenkünsten ist Taiho Jutsu ideal für die Bedürfnisse von Kräften unmittelbaren Zwanges, wie Polizei, Grenzschutz, Justizvollzug, Security etc.
Dabei entwickelte sich diese Kampfkunst immer weiter. Durch das Erlernen von Taiho Jutsu wird das Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten, sowie die Fähigkeit in Gefahrensituationen angemessen zu handeln, gestärkt. Durch drillmäßiges Üben und Perfektionierung der Techniken, sowie schlussendlich durch das Beherrschen der Technik, bekommen sie Sicherheit und Ruhe und können entsprechend de-eskalierend wirken. Darüber hinaus können sie Täter ohne diese schwer zu verletzen kontrollieren und außer Gefecht setzen.

Heute werden japanische Polizisten an der Akademie der Tokyo Metropolitan Police ausgebildet, alle Absolventen sollen Dan-Graduierungen im Judo oder Kendo, erhalten. Darüber hinaus üben sie alle Taiho Jutsu und die Disziplinen, die dort enthalten sind, wie z.B.: Aikijutsu, Nihon Kenpo, Jojutsu, Keibo Jutsu, etc. Sie müssen ihre Kampffertigkeiten während ihrer gesamten Laufbahn bei der Polizei verbessern oder zumindestens erhalten. Darum wird täglich trainiert und im Rahmen einer jährlichen Bewertung überwacht und kontrolliert.

Taiho Jutsu - Kunst der Körperkontrolle

Innerhalb der IMAF EUR BR GER ist das Nihon Ju Jutsu eng verflochten mit Nihon Taiho Jutsu. Nihon Ju Jutsu ist für Kinder und Jugendliche der Wegbereiter, um sich später in Taiho Jutsu fortzubilden. Nihon Taiho Jutsu ist daher eine Spezialisierung, die auf Nihon Ju Jutsu aufbaut. An dieser Stelle weisen wir nochmal ausdrücklich darauf hin, dass die IMAF EUR BR nicht nur die modernen Programme nach Sato und Tomiki, bzw. nach der Kommission von 1947 (Nagaoke, Horigushi, Saimura, Takaji, Hidenori) trainiert, sondern sich auch an in den historischen Trainingselemente wie Jitte Jutsu, Tanbo Jutsu, Hojo Jutsu etc. orientiert. Daher wird im Nihon Taiho Jutsu innerhalb der IMAF EUR BR GER großen Wert auf japanische Etikette und Tradition gelegt.

 

Etikette                          Spezifisch für Taiho Jutsu

Waffentechniken           Techniken Tanbo Jutsu, Techniken Jitte Jutsu, Techniken Hojo Jutsu

Ju Jutsu                        ein erweiterter Umfang an Kreuztechniken und Gegentechniken

Tai ho                            Festlege und Transporttechniken durch Körperkontrolle